Lage und Territorium

2004-05-13 00:00

Die Volksrepublik China befindet sich im Osten des asiatischen Kontinents und an der Westküste des Stillen Ozeans. China hat eine Gesamtfläche von ungefähr 9,6 Millionen Quadratkilometern. Nach Rußland und Kanada ist China der Fläche nach das drittgrößte Land. Das Territorium Chinas erstreckt sich vom Fluß Heilong nördlich von Mohe in der Provinz Heilongjiang bis zum Zengmu-Riff, dem südlichen Ende der Nansha-Inselgruppe; die Ausdehnung von Norden nach Süden beträgt etwa 5500 km. Vom Zusammenfluß des Heilong und des Wusuli im Osten bis zum Pamir-Hochplateau im Westen erstreckt sich das Territorium über eine Gesamtlänge von 5200 km.

Die Länge der gesamten Grenze des Festlandes mißt 22 800 km. Im Osten grenzt China an Korea, im Norden an die Mongolei, im
Nordosten an Rußland, im Nordwesten an Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan, im Westen und im Südwesten an Afghanistan, Pakistan, Indien, Nepal, Sikkim und Bhutan, im Süden an Myanmar, Laos und Vietnam. Durch die Meere im Osten und Südosten ist China von der Republik Korea, Japan, den Philippinen, Brunei, Malaysia und Indonesien getrennt.

Das chinesische Festland grenzt im Osten und Süden an das Bohai-Meer, das Gelbe Meer, das Ostchinesische Meer und das Südchinesische Meer. Die Hoheitsgewässer Chinas umfassen jene Meeresgebiete, die an das Festland und an Chinas Binnengewässer angrenzen; ihre Breite beträgt, von der Grundlinie ausgehend, zwölf Seemeilen. In den chinesischen Hoheitsgewässern von etwa 4,73 Millionen Quadratkilometern liegen mehr als 5400 Inseln verstreut. Die Insel Taiwan ist mit einer Fläche von 36 000 qkm die größte, die Insel Hainan mit einer Fläche von 34 000 qkm die zweitgrößte. Die beiden Inseln sind zugleich Provinzen Chinas.

Die Länge der chinesischen Küstenlinie beträgt 32 000 km, davon entfallen 18 000 km auf das Festland und 14 000 km auf die Inseln. An den Küsten entlang finden sich viele bedeutende Seehäfen und Hafenstädte. Vom Norden nach Süden sind unter anderem zu nennen: Dalian, Qinhuangdao, Tianjin, Yantai, Qingdao, Lianyungang, Nantong, Shanghai, Ningbo, Wenzhou, Fuzhou, Xiamen, Guangzhou, Zhanjiang und Beihai. Unter ihnen ist Shanghai die größte Stadt Chinas und zugleich eine weltbekannte Metropole. Industrie, Handel, Finanzwesen und Überseetransport sind in dieser Stadt sehr entwickelt.

Topographie

Aus der Vogelschau betrachtet, sieht Chinas Oberfläche wie eine Treppe aus, die vom Westen nach Osten Stufe für Stufe abfällt. Man kann die Bodenformation grob in vier Stufen einteilen.

Die höchste Stufe ist das Qinghai-Tibet-Plateau, das im Durchschnitt mehr als 4000 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Auf diesem Plateau sind viele hohe Gebirge und Gletscher verstreut. Die wichtigsten Gebirge sind das Kunlun-Gebirge, das Gangdise-Gebirge und der Himalaya.

Die zweite Stufe besteht aus dem Plateau der Inneren Mongolei, dem Lößplateau, dem Yunnan-Guizhou-Plateau, dem Tarim-Becken, dem Junggar- und dem Sichuan-Becken. Im Durchschnitt liegen sie 1000–2000 Meter über dem Meeresspiegel.

Durch die Gebirgsregionen am östlichen Rand der zweiten Stufe, nämlich das Große Hinggan-, das Taihang-, das Wushan- und das Xuefeng-Gebirge, sinkt das Land ostwärts bis zur Meeresküste ab und bildet die dritte Stufe der Treppe. Dort liegen vom Norden zum Süden die Nordostchinesische Ebene, die
Nordchinesische Ebene und die Ebene am Mittel- und Unterlauf des Yangtse. Die Ränder dieser Ebenen sind von niedrigen Bergen oder Hügelland gesäumt.

Östlich der dritten Stufe befindet sich der Kontinentalsockel, der als die vierte Stufe bezeichnet werden kann. Die Tiefe des Wassers hier beträgt weniger als 200 Meter. Dort lagert sich eine große Menge von Flüssen mitgebrachter Sand und Schlamm ab.

Was die zahlreichen Gebirgsketten des Landes betrifft, so lassen sie sich in fünf Systeme einteilen: 1. Die von West nach Ost verlaufenden Gebirgszüge, zu ihnen gehören das Tianshan-, Yinshan- und Yanshan-Gebirge, das Kunlun-, Qinling- und Dabie-Gebirge sowie das Nanling-Gebirge; 2. die von Nord nach Süd verlaufenden Gebirgszüge, dazu gehören das Helan-, das Liupan- und das Hengduan-Gebirge; 3. die von Nordost nach Südwest verlaufenden Gebirgszüge, sie umfassen hauptsächlich das Changbai-, das Große Hinggan-, das Taihang- und das Wushan-Gebirge; 4. die von Nordwest nach Südost verlaufenden Gebirgszüge, sie bestehen vorwiegend aus dem Altay-, dem Qilian- und dem Gangdise-Gebirge; 5. die kurvenförmigen Gebirgszüge, vor allem der Himalaya und das Taiwan-Gebirge.

Flüsse und Seen

Die Mehrzahl der Flüsse Chinas mündet, von Westen nach Osten fließend, in den Stillen Ozean. Nur einige Flüsse im Südwesten fließen in Richtung Süden. Die gesamte Länge der Flüsse beträgt ungefähr
220 000 km. Es gibt mehr als 1500 Flüsse, deren Einzugsgebiet jeweils über 1000 qkm groß ist. Die Wassermenge aller Flüsse Chinas beträgt 2711,5 Milliarden Kubikmeter, was der Gesamtwassermenge der Flüsse in Europa entspricht. Da die bedeutendsten Flüsse Chinas auf dem Qinghai-Tibet-Plateau entspringen und ein großes Gefälle haben, verfügt China über reiche Wasserkraftressourcen, die 680 Millionen kW betragen und den ersten Platz in der Welt einnehmen.

Der Yangtse ist der größte Fluß Chinas. Seine Gesamtlänge beträgt 6300 km und sein Einzugsgebiet 1,809 Millionen qkm. Er ist eine Hauptverkehrsader für die Binnenschiffahrt. Der Gelbe Fluß ist der zweitgrößte Fluß Chinas. Seine Gesamtlänge beträgt 5464 km und sein Einzugsgebiet 752 000 qkm. Der Gelbe Fluß gilt als die Wiege der chinesischen Zivilisation. Hier finden sich zahlreiche antike Ruinen und historische Sehenswürdigkeiten.

Der Große Kanal beginnt im Norden in Beijing und endet im Süden in Hang-zhou, Provinz Zhejiang. Seine Gesamtlänge be-trägt 1801 km. Im 5. Jahrhundert v. Chr. begann man mit dem Bau dieses Kanals. Später wurde er weitergebaut und vertieft und diente in den aufeinanderfolgenden Dynastien als wichtiger Wasserweg. Güter wurden aus dem Süden auf dem Kanal nach Norden transportiert, während der im Norden lebende Kaiser auf dem Kanal zur Besichtigung der schönen Landschaften südlich des Unterlaufs des Yangtse reiste. Heute noch sind mehrere südliche Abschnitte dieses Kanals befahrbar.

China hat auch zahlreiche Seen. Die meisten finden sich in der Ebene am Mittel- und Unterlauf des Yangtse und auf dem Qinghai-Tibet-Plateau. Der größte Süßwassersee ist der Poyang-See südlich des
Yangtse, seine Fläche beträgt 3583 qkm; der größte Salzsee ist der Qinghai-See mit einer Fläche von 4583 qkm.

Klima

Der Großteil Chinas liegt in der gemäßigten Zone, Teile des Südens liegen in der tropischen und subtropischen Zone, während der Norden sich in der Nähe der kalten Zone befindet. Dementsprechend weisen die Temperaturen landesweit große Unterschiede auf. Der Sommer in
Nordchina ist kurz und gemäßigt, der Winter dagegen lang und sehr kalt. In Südchina ist die Vegetation das ganze Jahr hindurch grün, was den Eindruck einer tropischen und subtropischen Landschaft vermittelt; in Ostchina ist das Klima warm und feucht, die vier Jahreszeiten unterscheiden sich klar; im Nordwesten Chinas ist das Klima sehr unterschiedlich: Frühmorgens zieht man die Pelzjacke an, mittags aber Gaze, heißt es; auf dem hochgelegenen Qinghai-Tibet-Plateau im Südwesten Chinas herrschen wiederum das ganze Jahr hindurch relativ niedrige Temperaturen.

Bodenarten und -beschaffenheit

China hat zur Zeit etwa 108 Millionen ha Ackerboden. In der Nord-ostchinesischen Ebene, der Nord-chinesischen Ebene, der Ebene am Mittel- und Unterlauf des Yangtse sowie im Zhu-jiang-Delta und im Sichuan-Becken finden sich die ausgedehntesten Ackerbaugebiete. Auf der Nordostchinesischen Ebene
findet man zum großen Teil fruchtbare Schwarzerde, auf der Weizen, Mais, Sorghum, Sojabohnen, Flachs und Zuckerrüben bestens gedeihen. Die Nordchinesische Ebene ist durch Braunerde und eine tiefe Erdschicht gekennzeichnet. Zu den wichtigsten Ackerkulturen zählen Weizen, Mais, Hirse, Sorghum, Baumwolle und Erdnüsse, wichtige Obstarten sind Äpfel, Birnen, Weintrauben und Personen. Auf der Ebene am Mittel- und Unterlauf des Yangtse wachsen Wasserreis, Orangen, Mandarinen, Raps und Puffbohnen und werden Süßwasserfische in großer Zahl gefangen, weshalb die Ebene als Heimat von Reis und Fisch bezeichnet wird. Das Sichuan-Becken mit seiner purpurfarbenen Erde ist sehr geeignet für den Anbau von Reis, Raps, Zuckerrohr und Tee sowie von Orangen und Pampelmusen.

China hat zur Zeit eine Forstfläche von 128,63 Millionen ha. Das Große Hinggan-Gebirge, das Kleine Hinggan-Gebirge und das Waldrevier des Changbai-Gebirges im Nordosten sind Chinas berühmte natürliche Waldgebiete. Hier gibt es überall Nadelwälder. Die verbreitetesten Baumarten sind Korea-Kiefern, Lärchen und Larix olgensis. Es gibt aber auch Laubwälder mit Baumarten wie Weißbirke, Mandschurische Esche, Eiche, Pappel, Sibirische Ulme u.a. Das Waldrevier in Südwest-China ist ebenfalls ein natürliches Waldgebiet. Zu den wichtigen Baum-arten zählen hier die Fichte, die Tanne und die Yunnan-Kiefer. Außerdem gibt es noch wertvolle Bäume wie den Teakbaum, den Rotsandelholzbaum, den Kampferbaum, den Nanmu-Baum und Rotholzbäume.

Chinas Grasland nimmt eine Fläche von 400 Millionen ha ein. Es erstreckt sich über 3000 km von Nordosten nach Südwesten. Auf den weiten Grassteppen liegen viele Viehzuchtfarmen. Das Grasland der Inneren Mongolei ist das größte natürliche Weidegebiet Chinas. Es ist die Heimat der bekannten Sanhe-Rinder, Sanhe-Pferde und der mongolischen Schafe. Auf dem Weideland nördlich und südlich des Tian-shan-Gebirges werden edelrassige Tiere wie die berühmten Ili-Pferde und die Xinjiang-Feinwollschafe gezüchtet.

Flora und Fauna

China gehört zu den Ländern, die über einen hohen Artenbestand wilddiebender Tiere verfügen. Allein an terrestrischen Wirbeltieren gibt es mehr als 2000 Arten, was über 10% des gesamten Artenbestandes der Welt ausmacht. In China sind 1189 Vogelarten, nahezu 500 Raubtier-, 210 Amphibien- und 320 Reptilarten beheimatet. Viele dieser Tiere sind nur in China anzutreffen. Zu den berühmten seltenen Tierarten zählen der Große Panda, der Stumpfnasenaffe, der Weißlippenhirsch, der Takin, der Chinesische Flußdelphin und der China-Alligator.

Der Große Panda zählt zu den wertvollsten seltenen Tieren. Er ist ein nationaler Schatz Chinas, lebt in Gebirgsgegenden der Provinzen Sichuan, Gansu und Shaanxi, ernährt sich von Bambus und ist eine noch aus dem Pleistozän des Quartärs stammende Tierart. Man nennt ihn deshalb ein lebendes Fossil.

China verfügt über mehr als 7000 Arten von Holzgewächsen, da-runter über 2800 Baumarten. Der Urwelt-Mammutbaum (Metasequoia glyptostroboides), die China-Zypresse (Glyptostrobus pensilis), der Cathaya-Baum (C. argyrophylla), die Spießtanne, die Goldlärche, die Taiwan-Kiefer (Taiwania crytomerioides), die Fujian-Zypresse (Fokienia bodginsii), der Chinesische Taubenbaum und andere Baumarten sind nur in China zu finden. Besonders erwähnenswert ist der Urwelt-Mammutbaum. Er ist eine Waldbaumart mit Wuchshöhen von 35 m. Schon vor 100 Millionen Jahren wuchsen Bäume dieser Art in vielen Gebieten der Erde wie in Ostasien, Nordamerika und Europa. In der Eiszeit des Quartärs sind sie jedoch fast restlos ausgestorben. Im Jahr 1941 wurden im Grenzgebiet der Provinzen Sichuan und Hubei mehr als 1000 Bäume dieser Art entdeckt. Seit 1949 wurde der Urwelt-Mammutbaum wieder in vielen Ländern der Welt verbreitet.

Um einzigartige oder vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen zu schützen, hat China bis 1997 landesweit 932 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 76,71 Millionen ha ausgewiesen. Dem weltweiten Netz der Naturschutzgebiete für Mensch und Biosphäre angeschlossen sind die zwölf Naturschutzgebiete Wolong in der Provinz Sichuan, das Gebirge Changbai in der Provinz Jilin, das Gebirge Dinghu in der Provinz Guangdong, das Gebirge Fanjing in der Provinz Guizhou, das Gebirge Wuyi in der Provinz Fujian, Shennongjia in der Provinz Hubei, Xilin Gol im Autonomen Gebiet Innere Mongolei, der Bogda-Berg im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang, Xishuangbanna in der Provinz Yunnan, Yancheng in der Provinz Jiangsu, das Gebirge Tianmu in der Provinz Zhejiang und Maolan in der Provinz Guizhou. Die sechs Naturschutzgebiete Zhalong in der Provinz Heilongjiang, Xianghai in der Provinz Jilin, der Ostteil des Dongting-Sees in der Provinz Hunan, Poyang-See in der Provinz Jiangxi, Vogelinsel in der Provinz Qinghai und Dongzhaigang auf der Insel Hainan zählen zu den international wichtigen Reservaten für Wasservögel. Außerdem wurden in Beijing, Kunming und Guangzhou Rettungszentren für vom Aussterben bedrohte Tiere gegründet.

Bodenschätze

Alle bisher auf der Erde entdeckten Bodenschätze sind auch in China zu finden. Bis heute sind die Vorräte von 151 Arten von Bodenschätzen festgestellt worden, und mit ihren Gesamtvorräten steht China an der dritten Stelle in der Welt. Zu den ermittelten Energieressourcen gehören u.a. Kohle, Erdöl, Erdgas, Ölschiefer und Erze radioaktiver Elemente wie Uran und Thorium. Darunter betragen die ermittelten Kohlenvorräte 1000,85 Milliarden t. Sie befinden sich hauptsächlich in Nord-china, besonders in der Provinz Shanxi und in der Inneren Mongolei. Erdölressourcen lagern vorwiegend in Nordwestchina, aber auch in
Nordostchina, Nordchina und in küstennahen Festlandsockeln in Ostchina. Zu den ermittelten Vorkommen an Schwarzmetallen gehören neben Eisen noch Mangan, Vanadin, Titan u.a. Die nachgewiesenen Vorräte an Eisenerz betragen 47,56 Milliarden t. Sie verteilen sich vor allem in Nordost-, Nord- und Südwestchina. In Anshan und Benxi in der Provinz Liaoning, im Ostteil der Provinz Hebei und in Panzhihua in der Provinz Sichuan befinden sich große Eisenerzvorkommen. Mit seinen Vorräten an den Buntmetallen Wolfram, Zinn, Antimon, Zink, Molybdän, Blei und Quecksilber steht China in der vordersten Reihe der Welt. Die Reserven an Seltenerdmetallen liegen erheblich über jenen der ganzen übrigen Welt.